Aumühle Editorial November – Zurück!

Pastor Christoffer Sach Copyright: Christian Geisler

Editorial November – Zurück!

Liebe Aumühlerinnen und Aumühler, liebe Menschen der Sachsenwald-Region,

zurück!

Das ist gerade unsere Wirklichkeit. Es geht nicht mehr alles einfach und ungebremst voran. Anders als manche Autohersteller uns mit ihrer Werbung weis machen wollen. „Nichts ist unmöglich“, das ist so ein bekannter Slogan. Auf meinem Autokennzeichen steht: „Geht nicht, gibt´s nicht.“

Doch – es gibt nicht mehr alles, schon gar nicht sofort. Unmöglich! Geht nicht!

Wir Menschen merken erst so richtig, was fehlt, wenn es nicht mehr da ist. Patrick Simmen hat einen nachdenklichen Text verfasst, der, wie ich finde, auf unsere Situation passt - Warum?, so heißt er.

Warum erwachen wir immer erst, wenn die Sonne schon am Himmel steht und wir uns nur noch fragen können wie schön ihr Aufgang wohl gewesen wäre. Warum merken wir immer erst mitten im kalten Winter wie warm die Regentage im Sommer noch waren. Und doch ziehen wir uns auch dann erst etwas Warmes an, wenn wir schon frieren und es eigentlich dafür schon zu spät ist. Aber warum?

Wenn wir von Wohlstand umrundet sind, fragen wir nicht nach dem Warum. Aber jetzt, da es uns betrifft, wo es kälter, teurer, gefährlicher wird, da fragen wir: Warum?

uns selbst ändern

Natürlich, wir alle wünschen uns die Situation anders. Aber wir können daran gerade nichts ändern. Was wir aber tun können, uns selbst ändern. Damit meine ich, eine neue Einstellung zu den Dingen und zum Leben zu bekommen. Das muss nicht gleich das große Ganze sein, dann klappt es nämlich meistens sowieso nicht mit dem Ändern. Ich selbst versuche, mich täglich darin zu üben, einen Schritt zurück zu gehen. Wenn ich mich aufrege, gehe ich in den Wald und atme tief durch. Zurück zur Natur! Das hilft übrigens auch bei zu viel Nachrichten, E-Mails, Zoom-Meetings, Stress, Kindergeschrei, was auch immer. Dann bekomme ich Kopf und Herz frei – und kann wieder einen Schritt auf die anderen zugehen, vielleicht ein Wort der Versöhnung sagen, was auch immer.

Welchen Schritt würden Sie auf welche Art zurück gehen?

Ist es nicht so – müssen wir Menschen nicht in vielerlei Hinsicht zurück, um das Leben im Gleichgewicht zu (er)halten? In unseren Beziehungen. Bei der Massentierhaltung. In der Genforschung. Bei (sinnlosem) technischem Fortschritt. Wir stehen gerade vor dem Drohszenario eines Atomkrieges. Da gibt es nur ein Zurück!

Zurück – die Bibel nennt das Umkehr. Wörtlich ist die Änderung der Einstellung gemeint.

Wenn ihr nicht umkehrt, werdet ihr alle umkommen. So klar und deutlich steht das im Lukasevangelium (Kapitel 13, Vers 3). Andersherum: Wenn ihr umkehrt, werdet ihr leben.

Umkehr zum Leben, so hieß der deutsche Evangelische Kirchentag im Jahre 1983. Da ging es - wie heute – um den Frieden, den diese Welt dringend braucht.

Wäre das nicht wunderbar – die Menschen änderten ihre Einstellung, zurück zu Vernunft und Gefühl? Zurück zu einem Glauben, der weiß, worauf er gründet und der so andere akzeptiert und toleriert? Zurück zum Frieden?

Ja, das wäre wunderbar.

Deshalb: Zurück! Um weiter zu kommen.

 

Herzlich,

Ihr und Euer Pastor Christoffer Sach