Geschichte des Waldfriedhofs Aumühle

Als Emil Specht 1891 die Villenkolonie Sachsenwald-Hofriede gründete, gab es in der Gemeinde keinen eigenen Friedhof.

Im Jahre 1909 lösten sich Aumühle von Brunstorf und Wohltorf von Hohenhorn, um eine gemeinsame Kirchengemeinde zu bilden. Zu der neuen Kirchengemeinde sollte auch ein Friedhof gehören, denn bisher wurden Wohltorfer auf dem Friedhof von Hohenhorn und Aumühler auf dem in Brunstorf beerdigt.

Im Jahr 1911 überließ die Fürstlich von Bismarck’sche Verwaltung der Kirchengemeinde ein 1,7 Hektar großes Waldgebiet, um hier einen Friedhof einzurichten.

Forstmeister Hugo Titze, von 1898 bis 1931 Leiter der Fürstlich von Bismarck’schen Forstverwaltung in Friedrichsruh, und der damals bekannte Hamburger Gartenarchitekt Rudolph Jürgens erarbeiteten den Plan für den Waldfriedhof.

Die erste Beerdigung auf dem Friedhof im Sachsenwald war am 25. März 1911. Im Laufedes Jahres wurden bereits 15 Aumühler und Wohltorfer Bürger auf dem damals noch tief im Wald gelegenen Friedhof beigesetzt. Nach der Friedhofsordnung gab es Kauf-, Familien-, Wald- und Einzelgräber.

Besonders prägend sind die ältesten Teile des Friedhofes, rechts und links des Hauptganges. Hier befinden sich große, besonders gestaltete Familiengrabanlagen.

Mit dem Bevölkerungswachstum nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof zu klein und musste erweitert werden. Fürst Otto von Bismarck stellte 1950 erneut eine Fläche von rund 18.000 qm Wald kostenlos zur Verfügung. Der Friedhof hatte jetzt eine Größe von 36 ha. Bei dem Entwurf der neuen Friedhofsfläche entstand planerisch ein Bruch, denn die von Forstmeister Hugo Titze entwickelte Friedhofsfläche war in sich abgerundet und sah keine Erweiterung vor.

Auf dem neuen, südlichen, Teil wurden daher, losgelöst von dem Ursprungsplan, durch den Gartenarchitekten Carl von Schierstedt großzügige, bogenförmige Wegegruppen angelegt.

Ende der Achziger Jahre wurde der Friedhof dann noch einmal um 11 ha vergrößert, da Ferdinand von Bismarck erneut einenn Teil des Sachsenwaldes zur Verfügung stellte.  Wie auch zuvor blieb der auf dem Grundstück befindliche Baumbestand im Eigentum der Bismarck’schen Forstverwaltung.

Zu den besonderen Grabstätten gehört das Mausoleum der Familie von Dassel, in dem seit 2006 ein Urnenhaus (Columbarium) untergebracht ist. Diese besondere Form der Bestattung wird bisher aber noch wenig genutzt.

Jetzt werden auch neue Reihengrabstätten in den alten Friedhof integriert. Besonders schöne alte Grabsteine oder Kreuze werden an geeigneten Stellen aufgestellt. Am Ende der Hauptachse des Weges, der von der Kirche auf den Friedhof führt, steht das Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege.

Ein Gedenkstein erinnert an Rüdiger Schleicher (1895–1945), der sich im Widerstand gegen den Nationalsozialismus engagierte. Schleicher war verheiratet mit Ursula Schleicher (1902–1983), einer Schwester des Theologen Dietrich Bonhoeffer (1906-1945), der im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet wurde.

Ebenfalls integriert in den Waldfriedhof, aber sehr viel älter als der Friedhof selbst, sind die drei prähistorischen Hünengräber, die sich auf dem Gelände befinden.

 


Quelle: "Waldfriedhof in Aumühle", Lothar Neinass, 2011