Jetzt im Advent
Mit der ersten Kerze am Adventskranz beginnt die Adventszeit. Aus der Kiste mit dem Adventsschmuck werden die ersten Schätze hervorgeholt. Auf jeden Fall das alte, schon etwas mitgenommene Räuchermännchen, das in der Küche stehen wird. Sterne schmücken die Fenster, Kerzen den Tisch und der Eingang wird mit einem Türkranz versehen. Mit den über lange Zeit in der Adventskiste aufbewahrten kleinen Dingen verbindet sich vertraute Erinnerung. Im Advent verankern wir uns in diesem Vertrauten. Manches wird als Familientradition weitergegeben, anderes – wie die zarten Lichterketten – kommt neu hinzu. Auch die Lieder, die wir in unseren Kirchen in diesen Wochen singen, können in uns Vertrautes anklingen lassen. Sie erzählen von Liebe und Frieden und wecken Sehnsucht nach dem Himmel. Hier auf Erden wünschen wir uns eine Welt, frei von Bedrückung, frei von Hass und Gewalt, frei von großen Konflikten und persönlichen Katastrophen. Im Advent wird die Sehnsucht nach Frieden in uns und um uns besonders gespürt.
Der Dichter eines alten Liedes aus dem kirchlichen Gesangbuch wird diese Sehnsucht gekannt haben. Verzweifelt fragt er: „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt?“ Und dann singen wir: „O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“
Trotz alter Sprache hören wir doch die Ungeduld aus den Worten: „Gott, wo bleibst du?“ Bring Frieden auf die Welt!‘ Das spricht uns aus dem Herzen. Doch Gott verändert die Welt nicht durch einen Himmelsriss, sondern wählt einen leisen Weg. In der Bibel lesen wir die Geschichte von der Geburt Jesu in Bethlehem und davon, wie dieser Jesus später gewirkt hat. Da werden Traurige getröstet und Kranke geheilt. Böses in uns Menschen wird gut und Streitende schließen Frieden. Uns wird die Sehnsucht nach dem Himmel ins Herz gelegt. Diese Sehnsucht lässt uns mitfühlend sein. Sie macht bereit, zu schenken, was nottut: Freundlichkeit, Liebe, Zugewandtheit und Hilfe. So lässt sich ein Blick in den Himmel werfen, dessen Tür Gott für uns geöffnet hat!
Eine gesegnete Adventszeit wünscht Ihnen Ihre Pastorin
Wiebke Rogall-Machona
